Altstadt

 

Markt mit Altstadt

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Foto: Stadtarchiv Ronneburg

Der terrassenförmige Aufbau unserer Stadt vom Bereich Unterm Schloss, hin zum Schlossfelsen, weiter hinauf bis zum Markt- und Kirchplatz wirkt sehr anmutig, wenn man über den Baderteich in Richtung Rathaus und Marienkirche blickt. Das Rathaus auf dem oberen Marktplatz, direkt an der Ortsdurchfahrt B 7 existiert seit 1476. Sein heutiges Aussehen erhielt es nach dem letzten großen Umbau 1928/29.

Gegenüber dem Rathaus befindet sich die wohl älteste Gaststätte unserer Stadt: der „Gambrinus“. Dieses Gebäude mit seinem Fachwerkbau und den Bleiglasfenstern ist besonders sehenswert.
Wenige Schritte davon entfernt steht das Patrizierhaus (jetzt Friseursalon Lange) – ein echtes Kleinod auf dem Marktplatz. Im Jahre 1736/37 ließ der Kauf- und Handelsherr Johann Christoph Schmidt das Haus errichten. Heute bildet das unter Denkmalschutz stehende Gebäude einen eindrucksvollen Bestandteil im Ensemble des südlichen Marktes.

Bereits im frühen Mittelalter entwickelten sich in Europa die ersten Märkte. Ein zentral gelegener Platz wurde ausgewählt und für den Handel, Kauf und Verkauf freigegeben. Der Stadtrat regelte mit Satzungen und Statuten die Durchführung von Markttagen. Die älteste Marktordnung datiert aus dem Jahr 1589. Noch heute erfreut sich der regelmäßige Wochenmarkt als Treff- und Kommunikationspunkt ständiger Beliebtheit. Traditionell finden sich donnerstags Markthändler auf dem Platz vor dem Rathaus ein, um ihre Waren anzubieten.

Kirchplatz

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Foto: Stadtarchiv Ronneburg

Der Kirchplatz im Bereich der historischen Altstadt gelegen, ist neben dem Markt der zweite zentrale Platz von Ronneburg. In deren Mitte thront die Marienkirche mit dem 30 Meter hohen Kirchturm.

Die im südlichen Platz befindliche Bebauung tangiert bzw. überbaut rückseitig die historische Stadtmauer. Das Pfarrhaus am südöstlichsten Platzende, ist ein Gebäude, das auf die Stadtmauer aufgesetzt wurde und zählt zu den ältesten Bauwerken der Stadt. Zusammen mit der Kirche wurden einige Gebäude am Kirchplatz im Jahre 1665 Opfer des Großen Stadtbrandes. In kurzer Zeit wurden diese wieder aufgebaut.

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Foto: Stadtarchiv Ronneburg

Auf dem Kirchplatz gibt es einige noch heute erhaltene Fachwerkbauten. Als besonderes Schmuckstück ist die im „Hildesheimer Stil“ ausgeführte Fachwerkfassade an der Gartenseite des Pfarrhauses zu betrachten. Mit dem Pfarrgässchen und der Kirchgasse hat der Kirchplatz zwei direkte Verbindungen zum zentralen Marktplatz. Ein Durchlass in der Stadtmauer, war neben den zwei Stadttoren eine weitere fußläufige Verbindung in die Vorstadt – in Richtung Baderberg.

Im Rahmen der städtebaulichen Sanierung des historischen Stadtkerns von Ronneburg, wurde der Kirchplatz im Jahr 1998 grundhaft ausgebaut und neu gestaltet. Auf dem Kirchplatz befanden sich wichtige infrastruktuelle Gebäudeeinheiten, wie die Freiwillige Feuerwehr und die Kindertageseinrichtung der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde. Auf Grund der räumlichen Situation wurden diese Funktionen ausgegliedert. Der räumlich Engwirkende Kirchplatz hat eine Vielzahl von kleinen Besonderheiten, hier eine Fachwerkmalerei, da ein Wappen mit Jahreszahl, dort ein handwerklich neu gestalteter Toreingang – das Hinschauen lohnt sich.

Stadtmauer

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Foto: Stadtarchiv Ronneburg

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Foto: Stadtarchiv Ronneburg

Sicherheit und Verteidigung waren äußerst wichtig für die Bewohner mittelalterlicher Städte. Deshalb wurde auch der gesamte Stadtbereich mit einer Steinmauer umgeben. Ein Wall und Graben sicherten die Mauer ab, die mit ihren Wehrgängen, Schießscharten und Wehrtürmen das Eindringen von Feinden verhindern sollten.
In Ronneburg bestand diese Stadtmauer aus Bruchsteinen, welche übereinander geschichtet wurden. An verschiedenen Stellen waren auf die Stadtmauer Gebäude aufgesetzt. Bemerkenswert ist dabei der Bereich des Pfarrhauses (ehemalige Superintentur), hier wurde der Unterbau aus Bruchsteinmauerwerk und der Aufbau aus Fachwerk gefertigt. Dieser auch heute noch erhaltene Teil der Mauer, ist von bezeichnender Schönheit und steht unter Denkmalschutz. Der Verlauf der historischen Stadtmauer ist nur an einigen Stellen heute noch sichtbar.
Nachvollziehbar ist, dass die Stadtmauer vom Ronneburger Schloß oberhalb der Bergkellergasse bis zum „Gerschen Tor“ – das obere Stadttor (heute August-Bebel-Strasse) verlief. Die rechte Häuserreihe der Heinrich-Heine-Strasse und Rödergasse, wurde auf den Graben der Stadtmauer gebaut. Der historische Verlauf war auf der Haus Rückseite dieser heutigen Bebauung, teilweise ist die Stadtmauer im Bereich der Rödergasse noch erhalten und sichtbar.

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Foto: Stadtarchiv Ronneburg

Mit den „Razner Tor“ – das untere Stadttor, gab es für Fuhrwerke den zweiten größeren Zugang zur Stadt. Die Stadtmauer setzt sich in Richtung des Pfarrhauses nach Süden fort, mit dem fußläufigen Zugang zum Kirchplatz wird diese wiederum unterbrochen. Oberhalb der Badergasse ist der Verlauf in Richtung Schloß nur noch zu erahnen. Nicht nachweisbar sind die Mauerverbindungen zum Ronneburger Schloß bzw. der Verlauf in diesem Bereich.

Es ist zu vermuten, dass es weitere kleine fußläufige gut überschaubare Zugänge zur Stadt gab. Die Straßenbezeichnung „Pforte“ lässt darauf schließen.

Badergasse – Berggasse

2015_10_Baderberg_4_800_600Die Bader- und Berggasse sind typische Gassen, die „winklig steigen und fallen“ , wie vom Heimatdichter O. Rathmann beschrieben. Beide Gassen verlaufen parallel, aber außerhalb der Stadtmauer, vom ehemaligen „Unteren Tor“ vorbei an dem Pfarrhaus bis hin zur Pforte. Beide Gassen durchqueren den Bereich der historischen Vorstadt „Baderberg“. Urkundlich erwähnt wurde dieser Vorstadtbereich im Jahr 1474 als „der Siedlerhof zu Ronneburg bei den Baderpforten gelegen“. Diese, der Stadt, vorgelagerte Bebauung beherbergte die privilegierten Badestuben der Wunderärzte und Barbiere. Heute ist diese ein lieblich an den Berg schmickender Altstadtbereich der im Rahmen der Vorbereitung der Bundesgartenschau 2007 neu geordnet wurde und eine harmonischen Übergang zum Stadtpark erhielt.

Bergkellergasse

Der Name Bergkellergasse ist nicht sehr alt. Er tauchte um 1750 auf, nachdem man vorher seit etwa 1720 von den dortigen Häusern sagte, dass sie bei den Bergkellern stehen. Zwischen 1650 bis etwa 1750 ist die heutige Bergkellergasse entstanden. Vorher lagen dort große Gärten, die wohlhabenden Bürgern der Stadt gehörten. Die Bergkeller selber dienten in früheren Zeiten als „Kühlschrank“ und Lagerstätte für Bier und Lebensmittel, aber auch als Zufluchtsort der Menschen in Kriegszeiten. Die ehemalige „Schellzehn“ gehört heute mit zu der Bergkellergasse.

Ebenso wie die Berg- und Badergasse, verläuft die Bergkellergasse, außerhalb entlang der ehemaligen Stadtmauer. Die Besonderheit in dieser Gasse ist, der Zugang von 3 ehemalige historische Bergkellerzugänge mit erkennbaren Geleuchtnischen. Die Eingänge liegen unterhalb der ehemaligen Stadtmauer und führten zu einem der Kellersysteme mit mehreren Etagen. Das gesamte System, hatte 10 Zugänge mit einer Gesamtlänge von über 1000 m und war in 4 Etagen mit einer vertikalen Ausdehnung von 13,5 m gestaffelt. Die in 1,6 m – 10 m unter der Erdoberfläche liegenden Kellergänge standen „ohne Ausbau“ und hatten „First- und Tagesbrüche“ zu verzeichnen. Sie wurden zwecks Sicherung der Überbauung und wegen austretendem Radongas Ende der 80er Jahre mit Magerbeton verfüllt, somit ist eine Begehbarkeit nicht mehr gegeben. Die Kellergänge hatten eine durchschnittliche Breite von 1,5 m und eine Höhe von 1,7 m und waren nur lokal im Bereich der Tageszugänge mit Ziegelmauerwerk und Geleuchtnischen ausgemauert.